Mit dem Bus von Buenos Aires nach Puerto Madryn

Zum Glück haben wir die Bustickets nach Puerto Madryn schon eine Woche zuvor gekauft, heute hätte ich mich wohl nicht aufraffen können und Manuel so lange bekniet, bis wir noch eine Nacht in Buenos Aires im Chillhouse Hostel verbracht hätten und vermutlich wären dieser einen noch einige weitere gefolgt. So sehr ich eigentlich aus dieser Stadt raus will, um endlich etwas von der Schönheit Patagoniens zu sehen, so schwer fällt es mir auf der anderen Seite auch. 42 Nächte im selben Etablissement sind auf einer Weltreise eine Ewigkeit, man hat plötzlich wieder so was wie ein lieb gewonnenes zu Hause.

Trotzdem es hilft nichts. Sachen packen, Verpflegung besorgen, noch ein bisschen ausruhen und um kurz nach 18 Uhr ging dann das Taxi zum Busbahnhof Retiro. Ein monströs hässlicher Betonbau, aus dem am Tag schätzungsweise 100 Busse in alle Richtung des Landes und auch international aufbrechen.

Bis jetzt habe ich den Begriff Nachtbus immer mit einem klapprigen vietnamesischen Bus assoziiert, der in 12 Stunden 100 Kilometer Strecke macht. Hier soll aber alles anders sein, denn jeder schwärmt dir von diesem komfortablen (und auf manchen Strecken auch einzigen) Fortbewegungsmittel vor. Um ganz sicher zu gehen haben wir zusätzlich noch Cama Suite gebucht. Konkret bedeutet das, dass unsere Sitze etwas breiter und besser gepolstert sind, sich komplett umlegen lassen und Getränke sowie Mahlzeiten inklusive sind. Wir sind gespannt. Da ich mit argentinischem Essen und im speziellen mit Reiseessen nicht immer die besten Erfahrungen gemacht habe, wurde noch etwas eigener Proviant mitgebracht, der mich im Notfall 2 Tage sättigen könnte.

Gegen kurz nach halb Sieben kommen wir am Busbahnhof an und suchen auf den Monitoren nach unserem Gate. Etwas ungewohnt für uns wurden leider nur die Abfahrtsgates für alle Busse, die bereits seit einer Stunde los sind und für alle Busse die in den nächsten 10 Minuten abfahren angezeigt. Naja um 19:51 Uhr tauchte dann auch unser Bus, der Buscompany Andesmar, auf der Anzeigetafel auf. Direkt vor unserem Wartebereich gelegen, gaben wir die Rucksäcke auf und dann rein in den Bus – unsere neue Unterkunft für die nächsten 18 Stunden – zumindest war es so geplant. Natürlich kam es anders.

Wir waren gerade 1,5 Stunden unterwegs und hatten uns durch dem Stadtverkehr von Buenos Aires Richtung Süden gekämpft, da hielt unser Bus auf dem Standstreifen der Autobahn 50km vor Buenos Aires. Zuerst wurde die Ungewöhnlichkeit gar nicht bemerkt, aber als ich die Crew mit sorgenvollen Gesichtern zum hinteren linken Reife gehen saß, keimte der Verdacht auf, dass dieser Zwischenstopp gar nicht geplant war. Die nächsten 30 Minuten wurde versucht das Problem zu beheben und mit dem Andesmar Hauptquartier telefoniert. Wir waren uns sicher, dass einfach ein neuer Bus geordert wurde, der uns an unserem schönen Plätzchen aufsammeln würde und dann die Fahrt mit einer kleinen Verzögerung vorgesetzt werden würde. Falsch gedacht! Nachdem der angekündigte Mechaniker nicht kam, setzte sich der Bus wieder in Bewegung und fuhr – wie sollte es auch anders sein – zurück nach Buenos Aires.

Nach 1 Stunde und 15 Minuten bogen wir auf das Betriebsgelände von Andesmar ein, welches auch die betriebseigene Werkstatt beherbergt. Und auch diesmal wurden wir leider nicht in einen der dort vorrätigen Busse verladen, sondern durften uns stattdessen auf dem Gelände ein wenig die Beine vertreten, während unser Bus repariert wurde. Zur großen Freude der mitgereisten Argentinier, befand sich der Andesmar Mannschaftsbus von River Plate auch dort und unser Stopp verwandelte sich in ein Busfotoshooting. Nach kurzer Zeit setzte sich unser Bus dann aber auch wieder in Bewegung. Mit einem kleinen Umweg über den Plaza de Mayo, den wir schon 4 Stunden zuvor das erste Mal überquert hatten, ging es endlich wieder Richtung Süden.

Nach ein paar Folgen GoT stellen wir unsere Rückenlehnen horizontal, klappten die Fußhocker hoch, zogen die Decken bis ans Kinn und schliefen die restliche Nacht recht angenehm.

Geweckt wurden wir dann durch die ersten Sonnenstrahlen. Aber zum Glück gab es einen Vorhang. Also nochmal umgedreht und weiter geschlafen. Als ich dann endlich wach wurde, fiel mein Blick auf diese unendliche Weite die sich zu beiden Seiten des Busses erstreckt. Flache Ebene nur mit Sträuchern bedeckt. Die sprichwörtliche Pampa.

Gegen 14 Uhr – also 1 Stunde nachdem wir unser Ziel bereits erreicht haben sollten, bog der Bus auf eine Schotterstraße ins Nirgendwo. Nach einer weiteren viertel Stunde Fahrt, kamen wir an einem Außenposten von Andesmar an. Ein Mann stieg samt Tasche aus. Selbst Google Maps kannte den Ort nicht und konnte mir nur zeigen, dass noch ein längeres Stück der Reise vor uns lag. Freude!

Kurz darauf wurde wieder zum Aufbruch gerufen und es ging weiter. Die restliche Busfahrt konnte dann zum Glück ohne weitere Vorkommnisse absolviert werden. Gut wir waren dann final 5 Stunden später als geplant am Zielort, der Argentinier an sich nimmt dies jedoch mit einem beeindruckenden Gleichmut hin, während der Deutsche sich überlegt einen Beschwerdebrief inklusive Geldrückforderung zu schreiben. Im Endeffekt waren wir dann einfach dankbar Puerto Madryn endlich erreicht zu haben.

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Kategorien Argentinien
Franzi

über

Mit dem RFD Reiseblog kann ich meine größte Leidenschaft - das Reisen, mit meinem liebsten Hobby - dem Schreiben, verbinden. Neue Sprachen erlernen und die exotischen Küchen aller Welt testen. Ich bin nämlich auch ein kleines Leckermaul und ein gutes Essen kann einen blöden Tag retten. Mein nächstes großes Ziel: mein Tauchschein!

1 Kommentar zu “Mit dem Bus von Buenos Aires nach Puerto Madryn

  1. Hauptsache gestecktes Ziel erreicht! Weiterhin tolle Erlebnisse und viel Spaß.
    Gruß Ox2

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