Das Fischerdorf Punta del Diablo

Punta del Diablo ist ein verschlafenes Hippiedorf, das in keinster Weise mit seinem mondänen Bruder Punta del Este mithalten kann. Ein Ort für Aussteiger, der aus seinem Müßiggang gerissen wurde und nun im Sommer von Touristenschwärmen heimgesucht wird. Von den Jungen, den Wilden, den Feierwütigen. Die immer einen Grund für eine Party finden und kein Ende kennen.

Für mich hieß das im Klartext: heruntergekommenes, altes Fischerdorf, das nun mit Händen und Füßen versucht nicht im Dreck der Touristen zu versinken. Keine all zu schönen Aussichten. Da aber jeder Besucher mit einer Begeisterung in seiner Stimme und einem Strahlen in seinen Augen von seiner Zeit dort berichtet, haben wir uns entschieden es trotzdem zu versuchen.

Ohne einen eigenen fahrbaren Untersatz gelangt man – wie so oft in Südamerika – mit dem Bus dorthin. Von Montevideo aus fährt man zwischen dreieinhalb und viereinhalb Stunden. Abhängig davon, wie viele Zwischenstopps der Bus in den Dörfern und Städten auf dem Weg macht.

Als wir am Busbahnhof in Punta del Diablo ankamen, bestätigten sich all meine Befürchtungen und Vorurteile. Ein Betonrohbau mit Wellblechdach, vor einer nicht befestigten Morastfläche. Der Himmel ist grau. Die wartenden Menschen sitzen schwerfällig aneinander gelehnt auf dem Boden. Die Sonnenbrille ist obligatorisch, um die Auswirkungen der letzten Nacht zu verschleiern. Die ganz Harten haben schon die nächste Flasche Bier in der Hand. Die Stimmung ist gedrückt. Fit ist eigentlich niemand und dann rollen die nächsten Busse an, die die neu gewonnene Liebe der letzten Partynacht unter Tränen mit sich nehmen. Meine Begeisterung hält sich in Grenzen.

Doch schneller als erwartet werde ich eines Besseren belehrt.

Punta del Diablo war ursprünglich ein kleines Fischerdorf, was sich an die Atlantikküste Uruguays schmiegte. Im Laufe der Zeit vergrößerte sich das Dorf nach und nach Richtung Landesinnere. Ein Spaziergang auf der Strandpromenade vereint all das, was man erwartet. Der Playa del Rivero und der Playa de la Viuda sind überfüllt.

Die dreckige Straße ist gesäumt von bescheidenen kleinen Häuschen, die ihre besten Zeiten lange hinter sich haben und schäbigen Kneipe, in denen schon zur Mittagszeit die ersten Alkoholfreunde zu finden sind und aus deren Anlagen die neusten Hits einem laut entgegen dröhnen. Zwischendrin findet man allerhand Geschäfte und Stände an denen Kunsthandwerk angeboten wird. Krimskrams und Firlefanz, mit dem die Einheimischen versuchen sich ein Zubrot zu verdienen. Auf dem Playa de los Pescadores stehen noch alte Fischerbote und man kann sich lebhaft vorstellen wie ruhig und beschaulich es hier einmal zugegangen sein muss. Im Nirgendwo. Nur der Mann, sein Boot und das Meer. Fischgeruch hängt immer noch in der Luft. Doch genau das macht auch den Charme für die junge Generation aus. Hier findet man keine überstylten Tussis, oder prollige Typen. Hier findet man den langhaarigen Aussteiger, der sich seit fünf Jahren die Haare nicht wäscht, dafür aber seine Mähne jeden Tag mit einer eigens kreierten Olivenöl-Lavendel-Mischung einschmiert. Das hält die Kopfhaut in natürlicher Balance. Aha.

Die Andere Seite von Punta del Diablo beginnt ungefähr auf der Anhöhe. Ein schickes an die Umgebung angepasstes Ferienhäuschen neben dem Anderen. Denn Punta del Diablo wurde nicht nur von den Partytouristen entdeckt, sondern auch von der besser verdienenden Mittelschicht. Die haben sich hier liebevoll gestaltete Feriendomizile errichtet, oder sogar das Potenzial erkannt und ein paar Cabañas eröffnet haben. Alles wirkt gepflegt und ordentlich. Jedes Haus versprüht seinen eigenen Charme und doch würde man den typischen Baustil überall wieder erkennen. Wichtigstes Accessoire hierbei: die gemütliche Hängematte auf der Terrasse oder dem Balkon. Hauptsächlich werden natürliche Materialien, wie Stein und sehr viel Holz beim Bau verwendet. Eingebettet in eine herrliche Landschaft, die stark an Südfrankreich erinnert. Und wer eher die Ruhe sucht, geht einfach zum Playa Grande, direkt im Naturschutzgebiet gelegen und auch zu Hochsaison verläuft sich hier alles. Der Atlantik zeigt sich hier nicht unbedingt von seiner wildesten Seite, aber dafür glänzt er mit angenehmen Temperaturen. Um das Gesamtbild abzurunden haben sich auch ein paar recht gaumenschmeichlerische Restaurants im Dorf niedergelassen. Wenn dann doch mal ein Regentag dazwischenkommt, genügt ein kurzer Abstecher ins Dorf, zur Pescadería, frischen Fisch gekauft, in einer Weißweinsoße serviert und dem Trommeln der Regentropfen auf dem Dach zugehört. Wunderbar. Und wenn der Regen aufhört, wird man mit einem wunderschönen Regenbogen belohnt.

Punta del Diablo Punta del Diablo

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Kategorien Uruguay
Franzi

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Mit dem RFD Reiseblog kann ich meine größte Leidenschaft - das Reisen, mit meinem liebsten Hobby - dem Schreiben, verbinden. Neue Sprachen erlernen und die exotischen Küchen aller Welt testen. Ich bin nämlich auch ein kleines Leckermaul und ein gutes Essen kann einen blöden Tag retten. Mein nächstes großes Ziel: mein Tauchschein!

1 Kommentar zu “Das Fischerdorf Punta del Diablo

  1. nach der Beschreibung nicht unbedingt empfehlendswert. Aber tolle Regenbögen gibt es dort. Gruß Ox2

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