Tal des Todes und Mondtal San Pedro de Atacama

Schutzsuchend vor der brennenden Nachmittagssonne drängt sich eine Meute von 28 Menschen eng an eng an die Mauer des Desert Adventures Büro. Heute geht es auf fünfstündige Entdeckungstour ins Tal des Todes und ins Mondtal San Pedro de Atacama.

Unser erster Halt: Das rund 10 Kilometer entfernte Valle de la Muerte (Tal des Todes). Die Herkunft des ungewöhnlichen Namens ist nicht abschließend geklärt, aber es gibt drei Hypothesen.

  1. Die erste Theorie geht zurück auf den belgischen Pater Gustav Le Paige. Dieser kam Mitte des 20. Jahrhunderts in die Wüstenoase und bei seinen Streifzügen durch die unwirtliche Landschaft verschlug es ihn in dieses Tal. Eine Landschaft wie von einem anderen Stern. Genauer gesagt, nach der Meinung des Paters, wie vom Mars. Und so bekam das Tal seinen Namen: Valle del Marte. Nun war seine spanische Aussprache aufgrund eines stark ausgeprägten flämischen Akzentes für die Einheimischen eher schwer zu verstehen und so wurde aus Marte — Muerte.
  2. Aber auch die Spanier selbst werden für den außergewöhnlichen Namen verantwortlich gemacht. Konnte sich die indigene Bevölkerung bei einem ersten Angriff der Konquistadoren noch erfolgreich zur Wehr setzen, mussten sie bei einem erneuten Eroberungsversuch eine vernichtende Niederlage einstecken. Um Angst zu schüren und so potenzielle Rebellionen im Keim zu ersticken, töteten die Spanier die Oberhäupter der Stadt und verbrannten ihre Leichen in diesem Tal. Von diesem Tage an trug es den Namen Valle de la Muerte.
  3. Die am weitesten verbreitete Annahme ist, dass das Tal diesen Namen bekam, weil dort kein Leben existiert. Was aber als komplett falsch einzustufen ist, da das Valle de la Muerte — wenn auch auf wundersame Weise — einen Lebensraum für eine Vielzahl von Insekten und Reptilien bietet.

Mondtal San Pedro de Atacama

Wir blicken uns um und können uns nicht so recht vorstellen, wie in dieser kargen Umgebung etwas leben kann. Aber die Gesteinsformationen sind beeindruckend. Das beste daran ist die Tatsache, dass es sich bei diesen Gebilden gar nicht um Gestein handelt, sondern um Lehm.

Vor vielen Milliarden Jahren war das komplette Tal noch von Wasser überflutet, das durch die Verschiebung der Kontinentalplatten nach und nach andere Wege suchte. Die Zusammensetzung der Lehmschichten, die man auch an ihrer unterschiedlichen Farbausprägung erkennen kann, verrät einem, zu welcher Zeit welches Klima vorherrschte. So konnten Wissenschaftler beispielsweise nachweisen, dass das Meer, welches hier einst existierte, die gleiche natürliche Zusammensetzung hatte, wie der brasilianische Teil des Atlantiks.

Mondtal San Pedro de Atacama

Als nächstes geht es mit dem Minibus auf ein höher gelegenes Plateau, das uns einen sagenhaften Ausblick über die umliegende Landschaft bietet. Der Himmel hat sich mittlerweile ein wenig zugezogen. Direkt unter unseren Füßen befindet sich ein orange-lehmiges zerklüftetes Tal. Dahinter breitet sich die ockerfarbene Atacama-Wüste aus, am Horizont erblicken wir schneebedeckte Vulkane und drüber eine Schicht aus grauen Wolken.

Unser nächster Aussichtspunkt zeigt uns ein Tal in dessen Mitte sich eine grüne Oase befindet, eingezäunt von drei Vulkanen. Zwei, die sich direkt gegenüber liegen und ein kleiner etwas abseits. Der raucht auch manchmal noch angsteinflößend vor sich hin. Dahinter verbirgt sich nach Ansicht der Einheimischen eine Liebesgesichte. Die beiden Vulkane, die sich direkt gegenüber liegen, sind Liebende, die sich aber nur einmal im Jahr an einem besonderen Tag nahe sein können. Dann nämlich, wenn die Sonne so steht, dass sich ihre Schatten in der Mitte des Tales treffen. Der kleinere Vulkan ist auf die große Liebe eifersüchtig und schnauft deswegen ab und an vor sich hin.

Mondtal San Pedro de Atacama

Mondtal San Pedro de Atacama

Mondtal San Pedro de Atacama

Nun geht es in das Valle de la Luna, das Mondtal San Pedro de Atacama. Direkt am Eingang ignorieren wir ein Cerrado-Schild und versuchen uns an einer kleinen Wanderung durch eine Salzschlucht. Leider hat es die Tage vorher so viel geregnet, dass unser Guide beschließt, uns zurück zum Minibus gehen zu lassen, da jedes weitere Eindringen mit erheblichen Gefahren verbunden wäre. Schade, aber Vorsicht bis besser als Nachsicht. Dafür stellen wir uns ganz nah an eine dieser riesigen lehmigen Wände und lauschen dem Salz. Dem Salz? Ja! Und das Salz in dem Bergen wächst. Das hört sich dann wie Knackgeräusche an. Besonders gut kann man diese hören, wenn der Tag von starken Temperaturschwankungen geprägt war. Das ganze Areal ist in ständiger Bewegung und Veränderung. In ein paar Wochen wird es nicht mehr die gleichen Formationen geben, Wege werden sich geschlossen haben und neue Pfade entstehen.

Mondtal San Pedro de Atacama

Mit dem Minibus geht es nun weiter rein in den Nationalpark Mondtal San Pedro de Atacama. Die Highlights bestaunen. In diesem Fall ist das eine Salz-Lehm Formation namens Tres Marias. Hm… also irgendwie hatte ich mir die größer und beeindruckender vorgestellt. Tatsächlich sind die drei Jungfrauen gerade einmal knapp 1,5 Meter hoch. Doch wenn die Sonne das Salz in der Erde erleuchtet, sieht es aus als würde sie ein heiliger Schein umgeben. Und auch heute noch kommen die Minenarbeiter zum Beten hierher. Leider gab es vor ein paar Jahren einen kleinen Unfall, als ein Guide sich zu nah an die Damen heranwagte und bei einem übermütigen Foto eine komplett dem Erdboden gleich machte. Ich persönlich finde den Dinokopf links daneben eh viel interessanter.

Mondtal San Pedro de Atacama

Mondtal San Pedro de Atacama

Wie unser Guide uns aufklärt, ist zwar das komplette Gebiet Nationalpark, in Chile kann aber jemand mit genügend Geld und Einfluss auch einen Nationalpark kaufen und dann damit machen was er will. Meistens wird dann nach Erdvorkommen gegraben und von der Natur bleibt nicht mehr viel übrig. Irgendwie traurig.

Mondtal San Pedro de Atacama

Den krönenden Abschluss unseres Ausflugs bildet die Besteigung einer Sanddüne. Von dort oben, mit einem sagenhaften Blick über das Mondtal San Pedro de Atacama, genießen wir den Sonnenuntergang, welcher das Tal in den verschiedensten Farben aufleuchten lässt. Beeindruckend.

Danach geht es wieder zurück in die Stadt und der Ausklang des Tages wird mit einem traditionellen Pisco Sour begossen.

Kategorien Chile
Franzi

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Mit dem RFD Reiseblog kann ich meine größte Leidenschaft - das Reisen, mit meinem liebsten Hobby - dem Schreiben, verbinden. Neue Sprachen erlernen und die exotischen Küchen aller Welt testen. Ich bin nämlich auch ein kleines Leckermaul und ein gutes Essen kann einen blöden Tag retten. Mein nächstes großes Ziel: mein Tauchschein!

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