Peru Hop – Mit dem Bus durch Peru

Nachdem wir mit Bolivia Hop ganz gute Erfahrungen gemacht hatten, beschlossen wir auch für Peru die Muttergesellschaft Peru Hop zu buchen.

Es werden verschiedene Pässe zu unterschiedlichen Preisen angeboten. Wr entschieden uns für Lima without the Lake. So führte uns unser Weg von Cusco über Arequipa, mit einem kurzen Abstecher in Huacachina und Paracas, nach Lima.

Von Cusco nach Arequipa

Unsere erste Etappe führte uns vom wunderschönen Cusco in die weiße Stadt – Arequipa. Eigentlich wird man von Peru Hop an der Unterkunft abgeholt, da die Altstadt von Cusco jedoch nur aus winzigen Gässchen besteht, durch die sich nicht mal der geschickteste Busfahrer hindurch manövieren könnte, nehmen wir ein Taxi zum Peru Hop Büro. Ein lustiges Unterfangen, da unser Taxi auf einer der steilen Straßen Cuscos den Schwung verliert und mit uns an Board zu schwer zum Anfahren ist. Also steigen wir beide notgedrungen aus und unserer Taxifahrer fährt mit quietschenden Reifen davon. Kurz befällt mich die Panik, ob wir auf einen cleveren Trick reingefallen sind und unser Taxifahrer sich nun ein schönes Leben mit dem Inhalt unserer großen Rucksäcke macht.

Wir fangen an zu rennen. Völlig außer Atmen kommen wir an der Abbiegung an, die unser Taxi genommen hat und mein Herz macht einen kleinen Sprung. Mit laufendem Motor wartet es auf uns. Kurz setzt es zur Weiterfahrt an bevor wir zusteigen können und ich frage mich ob ich gerade Protagonist in einer Folge südamerikanischer „Versteckte Kamera“ bin und wir jetzt bis zu unserem Zielort unserem Taxi hinterher rennen dürfen, aber dann stoppt der Fahrer, feuert uns an und wir springen schnell rein. Etwas verspätet, aber für südamerikanische Verhältnisse pünktlich, kommen wir am Peru Hop Büro an. Die Übernahme unserer Taxifahrtkosten wird gelinde vergessen, aber wir machen uns auch ehrlicherweise nicht die Mühe, die umgerechnet 1,50 Euro einzufordern.

Schlagartig wird es uns bewusst: eine Nachtbusfahrt. Eigentlich wollten wir genau das in Peru vermeiden, da dort die größten Gefahren lauern sollten. Aber manchmal geht es eben nicht anders. Doch wir haben Glück. Wie sich herausstellt, gibt es nur fünf weitere Mitreisende. Und einen Reisebus mit nur sieben Passagieren zu überfallen, lohnt den ganzen Aufwand einfach nicht. Und da aktuell Nebensaison ist, wissen die einschlägigen Verbrecher dies auch. Zumindest so meine Theorie. Um Gefahrensituationen zu vermeiden, hält Peru Hop auch nicht zwischendurch. Eine halbe, recht unsinnige Stunde verbringen wir noch im Büro bis unser Minivan kommt und uns zu unserem Reisebus bringt, der in einem Vorort von Cusco auf uns wartet. Im Eiltempo werden Passagiere und Gepäck umgeladen und los geht die Fahrt. Nilo – unser Guide – ist sehr nett und lustig.

Es gibt die obligatorische Einführung und ehe wir es uns versehen werden die Lichter Cuscos immer kleiner. Manuel und ich sitzen uns ausnahmsweise gegenüber. Die Abstände zwischen den einzelnen Sitzreihen sind so eng, dass ich mit meinen Knien an den Vordersitz stoße. Ich bin froh, dass wir nur Wenige sind und dadurch trotzdem ein bisschen Bequemlichkeit gegeben ist. Das filmische Highlight bildet „The Interview“. Überracshnderweise gar nicht so miserabel. Zum Glück nicht wieder Noah. Danach wird das Licht gelöscht und wir sozusagen zum Schlafen gezwungen. Es is kurz vor zehn. Ich wühle in meiner Tasche und mache es mir mit Musik am Fenster bequem und lasse die dunkle Landschaft an mir vorbeirauschen. Wr kommen an den üblichen heruntergekommenen Dörfern mit greller Straßenbeleuchtung vorbei. Alles wirkt wie ausgestorben. Nur vereinzelt sieht man eine Gestalt im Dunkeln herum huschen. Die Abstände zwischen den Dörfern werden größer und die Landschaft immer trostloser.

Langsam fang ich an zu frieren. Aber noch bin ich vorbereitet. Ich hole meine Jacke und meinen Schal und ziehe die recht dünne Fleecedecke enger um mich. Ab da wird es stetig kälter im Bus, bis der ganze Bus auf gefühlte Null Grad abgekühlt ist. Jeder von uns ist mittlerweile mit mindestens drei Decken ausgestattet. Mitten in der Nacht steigen vier weitere Passagiere ein. Aber ich bin zu erledigt um mir die Mühe zu machen, nachzuschauen wo wir eigentlich gerade sind. Zwei Jungs aus der zweiten Reihe fragen einen weiteren Mitreisenden, offensichtlich Busfahrer von Beruf, ob er erklären könne warum es denn so kalt sei. Dieser erklärt ihnen auf spanisch irgendetwas von Verdunstung und Wasser, das den Motor rosten lässt und dass deswegen keine Heizung angeschaltet wird. So richtig verstehe ich es nicht, aber dem kopfschüttelndem Tuscheln der beiden Jungs nach zu urteilen, war es wohl keine sehr einleuchtende Antwort.

Es ist zu kalt und zu unbequem um wirklich Schlaf zu finden, aber hin und wieder fallen auch mir die Augen für wenige Minuten zu. Erholsam ist dies jedoch nicht. Geplant sollten wir um halb sechs Uhr morgens in Arequipa ankommen. Um diese Uhrzeit befinden wir uns aber noch fast 100 km vor der Stadt. Eineinhalb Stunden später sind wir endlich da. Ich bin ganz steif und meine Muskeln durch das Zittern von einem kleinen Muskelkater gezeichent. Nach und nach laden wir unsere Mitfahrer ab bzw. diejenigen die noch nicht genug haben und direkt weiterfahren, dürfen in einen anderen Bus umsteigen. Meine Laune ist im Keller und natürlich bringt der Busfahrer uns zur falschen Unterkunft. Aber ich laufe nicht. Also muss er widerwillig eine weitere Runde drehen. Aber dann werden auch wir aus der Eishölle entlassen. Ich bekomme ausnahmsweise auch kein nettes Danke mehr über die Lippen als mir der Busfahrer meinen Rucksack in die Hand drückt. Zu meiner Freude ist unser Zimmer bezugsfertig und ich kuschele mich in meinen lagen Schlafsachen ins Bett, in der Hoffnung irgendwann von innen wieder aufzutauen.

Von Arequipa nach Huacachina

Unsere zweite Etappe mit Peru Hop führt uns von Arequipa nach Huacachina. 13 Stunden Tagbusfahrt. Mittlerweile habe ich mich an das ständige Busfahren zwar gewöhnt, aber tagsüber so eine lange Strecke zu bewältigen ist trotzdem immer noch eine Hausnummer. Pünktlich um 05:30 Uhr sitzen wir auf unseren gepackten Rucksäcken und warten. Uns war zwar von vorneherein klar, dass uns wohl niemand tatsächlich um halb sechs abholen wird, aber was will man machen. Zu unserer Überraschung findet sich unser Bus dann aber um kurz vor sechs tatsächlich vor unserer Hoteltür ein. Diesmal scheinen sie es auch auf Anhieb gefunden zu haben.

Wieder sind wir nur eine handvoll Leute – sieben um genau zu sein. Wieder nutzen wir den Platz im Bus voll aus. Diesmal ist eine junge Peruanerin unser Guide. Im Laufe der Fahrt zeigt sich immer wieder, dass der Busfahrer den Weg nicht kennt, trotzdem diskutieren will. Sie setzt sich aber jedes Mal elegant durch. Sympathisch. Eine dreiviertel Stunde nachdem wir losgefahren sind, ist unser Frühstücksstopp. Wir halten vor drei Wellblechbuden, in denen wir Erfrischungsgetränke und ein paar Cracker kaufen können. Zum Glück haben Manuel und ich vorgesorgt und unser Essensbeutel ist prall gefüllt (Bananaen, Äpfel, Croissant, Muffin, Nüsse, Kekse). Nur der fehlende Kaffee lässt Manuel’s Augen sehnsüchtig aufleuchten. Er tut mir leid.

Zurück im Bus wird es wieder still und jeder versucht noch ein wenig Schlaf nachzuholen. Ich bin zutiefst dankbar für meine peruanische SIM Karte und schreibe jedem der mir so einfällt. Glücklicherweise hat der ein oder andere auch Zeit und unterhält mich mit den neuesten News aus der Heimat. Gegen 10 Uhr hat dann aber auch der letzte aufgegeben und ein Filmmarathon beginnt. Die Millers, gefolgt von Mrs. Doubtfire. Dann ist erstmal Mittagspause. Wir fahren um halb vier die einzige Tankstelle in Nazca an. Der anscheinend einzige Ort wo man hier etwas zu Essen bekommt. Wie immer ist es ein gegrilltes Hühnchen mit Pommes, Reis, zwei Scheiben Gurken, einer Scheibe Tomate und dem Billigketchup. Die fahle Farbe der Pommes warnt die Geschmacksnerven schon mal vor. Hier muss man nicht viel Arbeit reinstecken. Aber trotz 20 Minikeksen habe ich ein wenig hunger und zwinge meinem Körper wieder geschmacklose Kohlenhydrate auf, obwohl dieser mich eigentlich schon seit Tagen anfleht etwas Frisches und Gesundes zu mir zu nehmen.

Der nächste Haltepunkt ist der Aussichtsturm im Nirgendwo für die berühmten Nazca-Linien. Hochspannung pur. Ein weiteres Must-See auf meiner Liste. Wir stehen vor einem ca. 13 Meter hohen Aussichtsturm aus Stahl. Ein notdürftge Konstruktion. Und mal wieder war ich meinen Erwartungen aufgesessen. Der Ausblick der sich mir bildet ist – enttäuschend. In meiner Vorstellung waren die Nazca Linien monströs groß. Tiefe Furchten, von Menschenhand im Schweiße ihres Angesichts in den trocknenen Boden Südperus gegraben. Figuren von Ausmaßen über 300 Meter groß und mehrere Meter tief. Im Endeffekt haben die Furchen eine Tiefe von gerade einmal 7 Zentimetern und die Standardfigur ist wenige Meter groß. Kaum größer als ein Mensch. Ich mache zwei Fotos und gehe zurück zum Bus. Wie gut, dass Manuel mir ausgeredet hatte in Nazca zu übernachten und einen Überflug zu buchen. Das wäre definitiv Geldverschwendung gewesen. Die letzten zwei Stunden wurden dann mit einem der großen Klassiker schlechthin rumgebracht: Top Gun flimmert über die Bildschirme.

Hop Peru

Von Huacachina nach Paracas

Unsere dritte Etappe führt uns vom Oasenstädtchen Huacachina ins Strandmekka Paracas. Eine unspektakuläre 1 stündige Fahrt, die wir wieder einmal nur zu Viert hinter uns bringen.

Von Paracas nach Lima

Unsere vierte und letzte Etappe führt uns von Paracas in die Hauptstadt Lima. Mit etwas Verzögerung starten wir am späten Nachmittag mit einer weiteren Mitfahrerin in einem Minivan. Zuerst steuerten wir die Hacienda San Jose an. Was heutzutage ein High Class Hotel, war vor 200 Jahren noch ein riesiges Herrenhaus mit eigener Kirche, Anbauten für die Bediensteten und vielen Hektar Land. Die Felder wurden von afrikanischen Sklaven bestellt, die über den Seeweg nach Peru kamen. Nun musste für jeden Sklaven eine Art Importzoll gezahlt werden. Um diesen zu umgehen – da sieht man einmal wieder, dass die Reichen nur reich werden, weil sie jede Ausgabe versuchen zu unterbinden – baute die Familie Tunnel vom Hafen bis zur Hacienda. Insgesamt hat das Tunnelsystem eine Länge von 47 km. Die von der Überfahrt geschwächten Sklaven wurden durch die niedrigen unterirdischen Gänge getrieben, dort aussortiert und mussten in den angrenzenden winzigen Kämmern schlafen. Ohne jeglichen Komfort, ohne Tageslicht. Zusammen gepfercht auf wenigen Quadratmetern. Ein grausames Unterfangen.

Wir laufen unserem Guide durch diese engen, verwinkelten Katakomben hinterher, den Weg nur von unseren Taschenlampen erhellt und ich hoffe inständig, dass wir den Weg wieder hinaus finden. Oft müssen wir geduckt laufen und die Gänge sind gerade einmal so breit wie wir. Ein beklemmendes Gefühl macht sich breit. Es wird auch nicht besser als wir in einem dieser kümmerlichen Räumen stehen und wir dort Knochen vorfinden. Ich bin sehr froh als wir endlich wieder unter dem Sternenhimmel stehen. Kurz darauf fahren wir eine Tankstelle an, die den Treffpunkt mit unserem Reisebus bildet. Da wir noch etwas Zeit haben gibt es einen kleinen Snack. Unser Reisebus kommt, wir steigen ein und nach knapp 2 Stunden sind wir dann endlich in der Hauptstadt.

Fazit

Natürlich kann man auch in Peru auf die normalen Busunternehmen zurückgreifen. Im Gesamten könnte man wohl auch ein paar Soles dadurch sparen, jedoch würden wir Peru Hop immer bedingungslos weiterempfehlen. Zum Einen ist der Standard in normalen Bussen um einiges niedriger, zum Anderen ist man auch einem größeren Sicherheitsrisiko ausgeliefert. Außerdem fahren peruanische Busse beispielsweise nicht Huacachina an, sondern man kann nur bis Ica fahren und müsste sich von dort ein Taxi nehmen. Da ist Peru Hop schon um einiges komfortabler. Auch kommt man mit vielen anderen Backpackern in Kontakt.

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Busunternehmen: Peru Hop
Preis pro Person: 169 $

Fahrzeiten:

  • Cusco – Arequipa knapp 11,5 Stunden
  • Arequipa – Huacachina knapp 13 Stunden
  • Huacachina – Paracas knapp 2 Stunden
  • Paracas – Lima knapp 6 Stunden

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Kategorien Peru
Franzi

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Mit dem RFD Reiseblog kann ich meine größte Leidenschaft - das Reisen, mit meinem liebsten Hobby - dem Schreiben, verbinden. Neue Sprachen erlernen und die exotischen Küchen aller Welt testen. Ich bin nämlich auch ein kleines Leckermaul und ein gutes Essen kann einen blöden Tag retten. Mein nächstes großes Ziel: mein Tauchschein!

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