Lima

Überraschend liebenswertes Lima

Nun also Lima. Vieles haben wir gehört über diese Stadt, von Reisenden, die den südamerikanischen Kontinent von Norden nach Süden bezwingen und deren Weg unseren irgendwo kreuzte. Meist waren die Meinungen eher verhalten. Wir sind gespannt.

Unsere ersten Eindrücke, die wir mit plattgedrückten Nasen am Busfenster sammeln, sind hingegen viel versprechend. Während die peruanische Architektur sonst eher einfach gehalten ist, strahlen uns hier Hochhäuser, bunte Werbetafeln und leuchtende Casinos an.

Nach einer etwas ruppigen Begrüßung im Hostel, einem Zimmer vermeintlich ohne Fenster, was Manuel an den Rand seiner Gemütsruhe bringt, und einer Streicheleinheit der Hostelkatze, geben wir uns erst einmal ganz dem Schlaf hin.

Am nächsten Morgen wird erst das Hostel gewechselt, Manuel mit einem Starbuckskaffee glücklich gemacht und dann zu einer kostenlosen Stadtführung aufgebrochen.

Lima

Lima wurde am 18. Januar 1535 von dem spanischen Eroberer Francisco Pizarro, der ihr den Namen Ciudad de los Reyes gab, auf einer Eingeborenensiedlung am Südufer des Flusses Rica gegründet. Zunächst beherbergte die Stadt lediglich ein Dutzend Eroberer, blühte aber in den folgenden Jahren unter dem ständigen Zufluss von Gold und Silber auf, welches zunächst von den besiegten Inkas, dann aus den Minen der Anden stammte. Doch Reichtum lockt auch immer Verbrecher an, so dass Lima des öfteren von Piratenüberfällen heimgesucht wurde. Der bekannteste von ihnen war Sir Francis Drake, der 1579 versuchte, die Reichtümer der Stadt umzuverteilen.  Doch gibt es auch ein dunkles Kapital in Limas Analen, denn unter dem Einfluss der katholischen Kirche wurde die Stadt das Zentrum der Unterdrückungsmaßnahmen gegen die indigene Bevölkerung. Es wurden Inquisitionen gegen alte religiöse Bräuche, Riten und gegen die alte Heiler-Medizin durchgeführt, die vielen Indios einen grausamen Tod bescherten.

Lima

In der Mitte des 20. Jahrhundert erlebte Lima einen explosionsartiges Bevölkerungswachstum, nachdem immer mehr Menschen vom Land ihr Glück in den urbanen Gebieten der Stadt suchten. So hat sich Lima nach und nach viele kleiner Fischerdörfchen an der Pazifikküste einverleibt und bildet heute zusammen mit der Hafenstadt Calle einen einzigen großen Ballungsraum. Die Stadtgrenzen sind völlig aufgelöst. Heute leben hier über 8 Millionen Menschen und flächenmäßig ist Lima sogar größer als das Saarland.

Um die Anzahl der Autos in der Stadt in einem gesitteten Rahmen zu halten, wurde ein Metronetz angelegt. Ich stehe an der Haltestelle und wundere mich, warum wir uns über der Erde befinden und ich keine Schienen entdecken kann. Als dann der Metro-Bus anrollt, geht mir ein Licht auf. Aktuell wird aber auch an einer richtigen U-Bahn gearbeitet.

Unsere Tour führt uns in das historische Zentrum Limas, das 1991 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde. Wir besichtigen den Plaza de Armas und können die tägliche, sehr pompös inszenierte Wachablösung vor dem Regierungspalast bewundern. Machen einen Abstecher zu dem alten, damals ersten Bahnhof Südamerikas, der heute trotz seiner an Eiffel erinnernden Architektur, nur noch als Markt für Kitsch und Ramsch genutzt wird. Uns werden die wichtigsten Kirchen der Stadt gezeigt, das Literaturhaus und der San Pedro Markt. Zum Schluss gibt es noch eine kleine Piscoverkostung und unsere Gruppe zerstobt wieder in alle Richtung. Manuel und ich schauen uns etwas unentschlossen hat. Der Guide war zwar nett, aber wirklich informativ war die Tour nicht, geschweige denn, dass sie einem eine Idee davon vermittelt hätte, was man den nun noch so besichtigen müsste. Also treten wir den Rückweg ins nette Miraflores an.

Lima

Der Stadtteil Miraflores ist ein sehr beliebtes Ziel für Touristen und man hört auf der Straße mehr Englisch, als Spanisch. Miraflores und das nahegelegenen San Isidro sind so modern, sauber und hip, man könnte fast vergessen in Südamerika zu sein. Hier spielt sich das Leben rings um den Parque Kennedy ab. Ein schöner kleiner Park, der dem damaligen US Präsidenten gewidmet wurde. Überall gibt es Restaurants, Bars und Hostels, gefüllt mit Touristen, die sich erstaunlicherweise recht gut unter die Einheimischen mischen. Ein Highlight im Parque Kennedy sind unzählige Straßenkatzen, die hier ihr Zuhause gefunden haben und äußerst zutraulich sind. Ansonsten wird das Bild von einer Vielzahl von Verkehrspolizistinnen geprägt. Ein weiteres Indiz dafür, dass Lima weitaus fortschrittlicher ist als der Rest des Landes.

Selbstverständlich hat Lima neben all seinen Restaurants auch noch reichlich mehr zu bieten.

Lima

Barranco ist das trendigste Viertel Limas. Während sich in Miraflores die Touristen tummeln, kommen hierher die Einheimischen, um abends in eines der unzähligen netten Restaurants einzukehren und danach noch den ein oder anderen Cocktail in den angesagten Kneipen und Bars zu trinken. Aber auch tagsüber kann man hier entspannt durch die kleinen Straßen schlendern und sich auf die Suche nach kleinen Boutiquen und Kunstläden machen.

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Am nächsten Tag machen wir uns auf Hauch Pucllana einen Besuch abzustatten. Inmitten der Stadt, in bester und teuerster Wohnlage gelegen, befinden sich die 2500 Jahre alten Ruinen. Diese wurden erbaut, um nicht etwa der Sonne – die nämlich meint es mit Lima nicht allzu gut – sondern dem Meer zu huldigen. Wir kommen gerade noch rechtzeitig um an der englischsprachigen Führung teilnehmen zu können. Wir werden eingeführt in die uralten Bräuche der War Kultur, bekommen Opferplätze und Lagerstätten zu sehen, erhalten eine Einführung in die damalige Pflanzenwelt und werden zu den alten Grabstätten geführt. Das Areal umfasst knapp 70.000 qm. Und in seiner Mitte prangt eine eindrucksvolle Pyramide, ähnlich den Anlagen der Inka, die als Zeremonienstätte genutzt wurde. Noch immer werden neue Ruinen von Archäologen freigelegt und ermöglichen neue Erkenntnisse über das damalige Leben.

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Auf dem Rückweg schlendern wir ein wenig durch die Straßen. Das Bild Limas ist im Stadtzentrum geprägt von Hochhäusern, im Rest der Stadt aber finden sich hauptsächlich Einfamilienhäuser, die zwei Stockwerke nicht übersteigen. Den typischen sechsstöckigen Etagenbau wie in den europäischen Großstädten findet man hingegen nicht.  Um den immer größer werdenden Menschenmassen in Lima gerecht zu werden, findet aber nun ein Umdenken statt und es werden immer mehr Hochhäuser, auch in den schickeren Wohngegenden gebaut.

Die Lage direkt am Pazifischen Ozean trägt definitiv auch zum besonderen Charme Limas bei. Und so ist es kein Wunder, dass die unendlich lang scheinende Uferpromenade hoch über dem Meer an der Steilküste ein beliebtes Ziel ist, um dem wuseligen Treiben zu entkommen. Hier kann man gemütlich flanieren, sich sportlich auspowern oder aber mit einem Paraglider in die Tiefe stürzen. Und wenn man sich bis nach ganz unten ans Wasser wagt, warten die Wellen des rauen Pazifik darauf, mit dem Surfboard bezwungen zu werden.

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Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal unter den südamerikanischen Hauptstädten ist definitiv das Klima. Denn obwohl Lima offiziell im tropischen Klima liegt, sind die Temperaturwerte und Sonnenstunden vergleichsweise niedrig. Ein Grund für diese Werte ist der relativ kalte Humboldtstrom, der das Land abkühlt. Ebenso sorgt dieser im Winter als Folge von Kondensation des Wasserdampfes in der Luft über dem relativ kalten Ozean für dichten Küsten- oder Hochnebel, der die ganze Stadt von Mai bis Oktober einhüllen kann. Und trotzdem ist Lima die zweit trockenste Stadt der Welt – hinter Kairo. So gelangte Lima zu seinem Namenszusatz: Die Stadt in der man nie die Sonne sieht und in der es niemals regnet. Weise Worte. Im Endeffekt führt dieses außergewöhnliche Klima aber zu sehr angenehmen Temperaturen, die dazu führen, dass man es hier gut aushalten kann.

Lima ist keine Stadt, in die man sich sofort verliebt. Lima braucht etwas Zeit. Aber wenn man sich darauf einlässt, kann man hier ein paar wunderbare Tage verbringen.

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Franzi

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Mit dem RFD Reiseblog kann ich meine größte Leidenschaft - das Reisen, mit meinem liebsten Hobby - dem Schreiben, verbinden. Neue Sprachen erlernen und die exotischen Küchen aller Welt testen. Ich bin nämlich auch ein kleines Leckermaul und ein gutes Essen kann einen blöden Tag retten. Mein nächstes großes Ziel: mein Tauchschein!

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