Secret Garden Cotopaxi

Hostel Secret Garden Cotopaxi

Das erste Mal von diesem außergewöhnlichen Ort Secret Garden Cotopaxi haben wir auf einer Busreise in Peru gehört. Ein netter Holländer, der uns erzählte, dort die schönsten Tage seines Ecuador Aufenthalts verbracht zu haben. Mitten im Nirgendwo. Wir waren sofort begeistert. Vor einer Woche war es dann soweit. Wir hatten dort drei Nächte gebucht und saßen nun im Bus von Latacunga nach Machachi, wo uns ein Fahrer abholen sollte, mit dem wir die letzte Strecke bis zum Secret Garden Cotopaxi zurücklegen würden.

Wir hatten genaue Anweisungen: Bitte an der ersten Kreuzung hinter der Mautstation aussteigen. Gegenüber dem Springbrunnen und der Pferdestatue. Leider interessiert das den Busfahrer recht wenig. So müssen wir noch knapp 3 km im Nieselregel zu Fuß zurücklegen. Und meine Unsicherheit ist wieder geweckt. Drei Nächte in der Einöde, ohne Internet, ohne Telefon, mit komplett Verpflegung. Was wenn das Essen nicht gut ist? Was wenn die Hütten nicht meinen Wohlfühlstandard erfüllen? Denn sind wir ehrlich, ich bin in beiden Fällen etwas speziell. Aber Manuel wollte umbedingt hierher und so habe ich meine Bedenken verdrängt. Als wir dann an einer Tankstelle kurz vor der Kreuzung vorbeikommen, wartet unserer Fahrer schon mit dem Pick-Up. Ein netter, etwas rundlicher, ungesprächiger Ecuadorianer. Die Rucksäcke und ich werden auf der Rückbank verstaut, Manuel nimmt vorne Platz. Und dann geht die Fahrt los. Knapp eine Stunde. Die ersten Meter legen wir noch auf einer normalen, geteerten Straße zurück, aber schon nach kurzer Zeit geht der holprige Teil der Fahrt los. Wir entfernen uns immer mehr von jeglicher Zivilisation. Am Anfang tauchen am Wegesrand noch vereinzelt Häuser auf. Sogar ein Spielplatz und eine Art Lebensmittelladen, wo unser Fahrer das Fleisch für den Abend bestellt. Irgendwann biegen wir auf einen Feldweg mit der Beschriftung „Secret Garden Cotopaxi“ ab. Jetzt kann es ja nicht mehr lange dauern. Irrtum. Die Kühe starren uns neugierig aber nicht wirklich überrascht an, während sie entspannt weiterkauen. Nun ist wirklich weit und breit nichts mehr außer Natur. Und es wird nochmals eine Stufe rumpeliger. Die zwei Gasbehälter die auf unserer Ladenfläche stehen, hüpfen hin und her. Ich hoffe wir sind bald da. Und dann biegen wir auch schon auf einen kleinen Hof ein.

Secret Garden Cotopaxi

Der erste Eindruck vom Secret Garden Cotopaxi ist ausgezeichnet. Die Häuschen sind in einem roten gestrichen, es gibt überall ordentlich angelegte Blumenbeete und alles wirkt sehr sauber und gepflegt. Manuel’s Augen leuchten, ich bin positiv überrascht, will mich aber noch nicht ganz der Euphorie hingeben. Wir werden mit zwei Gläsern Glühwein begrüßt und erhalten eine erste Einführung. Die drei Hotelhunde – zwei Dackel und ein Dalmatiner – kommen schwanzwedelnd auf uns zugelaufen und beschnuppern uns. Ui Hunde. Aber die drei scheinen ganz in Ordnung zu sein. Kein Anspringen, kein Anknurren oder Anbellen. Freunde werden wir wohl nicht, aber zumindest kann ich damit leben. Wir laden unser Gepäck im Dorm ab, beziehen die Betten und schauen uns um. Was soll ich sagen, der erste Eindruck bestätigt sich wo wir auch hinschauen. Pünktlich um 17 Uhr gibt es dann auch schon den ersten Snack. Selbstgemachte Arepas – kleine mit käsegefüllte und frittierte Teigtaschen – mit Dip. Deliziös. Das Kaminfeuer prasselt und wir genießen unser erstes Bier. Langsam kommt man mit den Leuten ins Gespräch, alle sind sehr aufgeschlossen und freundlich. Aktuell sind sechs Volontäre vor Ort und zusätzlich noch Köchinnen, Putzfrauen, Fahrer und Handwerker. Wobei dabei jeder alles kann und auch macht. Die Atmosphäre ist sehr gemütlich und familiär. Dann gibt es auch schon Abendessen. Burger vom Grill. Alles ist frisch und wieder äußerst lecker. Langsam kann ich mir vorstellen es hier im Secret Garden Cotopaxi ein paar Tage auszuhalten.

Secret Garden Cotopaxi

Die nächsten Tage verbringen wir mit dem Erklimmen verschiedenster Vulkane, dem Verspeisen von riesigen Portionen wirklich wohlschmeckendem Essen – eine Notwendigkeit auf dieser Höhe – , dem Aufklären von Mafiamorden an unschuldigen Dorfbewohnern, dem Genießen von eisgekühltem Bier vor dem Kaminfeuer, mit tiefphilosophischen Gesprächen über das Reisen und das Leben an sich, dem Lesen, gekuschelt in die Hängematte, dem Fotografieren der wundervollen Landschaft, dem Ausspannen in der Couchecke, während Mash sich an uns kuschelt und dem erholsamen Schlaf der Gerechten. Es ist wirklich traumhaft schön hier. Alles passt zusammen. Das Team der Volontäre tut alles dafür, dass sich jeder wohl fühlt und kümmert sich tagsüber um die anfallenden Aufgaben mit einer Hingabe, die einen denken lassen könnte, es wäre ihr eigenes Hostel. Nach drei Nächten ist für uns klar, wir verlängern. Am zweiten Tag können wir in eine der Cabañas umziehen und erst nach sechs Nächten verlassen wir notgedrungen, aber ganz nach dem Vorsatz: „just keep quitting“ dieses wunderbare Kleinod.

Secret Garden Cotopaxi

Die Lage des Secret Garden Cotopaxi ist schon etwas besonderes. Auf 3500 Metern umgeben von sieben Vulkanen, mit einem traumhaften Ausblick auf den Cotopaxi. Die Anlage besteht aus einem Hauptgebäude mit einer großen, offenen Küche, einem geräumigen Tisch, an dem alle Mahlzeiten gemeinsam eingenommen werden, ausgenommen der 17 Uhr Snack, der in der Couch Ecke direkt vorm Kamin serviert wird. Es gibt drei Cabañas mit eigenem Bad, ein neuner Dorm ebenfalls mit eigenem Badezimmer, ein achter Dorm und das Playhouse, das für zwei – besser kleingewachsenen Personen – eine süße Unterkunft bildet. Der Bettenpreis versteht sich inklusive drei Mahlzeiten plus Snack. Alles wird jeden Tag gewischt, gefegt und gründlich gereinigt. Trinkwasser, Kaffee und Tee gibt es kostenfrei den ganzen Tag über. Die Duschen sind heiß und verfügen über ordentlich Power. Ein Traum. Genau wie das Essen, an dem es nichts auszusetzen gibt. Beim Frühstück, das zwischen 07:30 Uhr und 09:00 Uhr serviert wird, wird täglich zwischen den gängigen Möglichkeiten – French Toast, Rührei, Omelette, Crêpes, Pancakes – variiert. Immer gibt es einen kleinen Obstsalat, Saft, Brot, Butter und Marmelade. Mittagessen gibt es von 12:30 Uhr bis 15:00 Uhr, meist eine Suppe oder eine andere, leichte Speise. Auf die fleißigen Wanderer wird aber immer gewartet. Um 17 Uhr versammeln sich dann alle vorm Feuer und es gibt einen kleinen Snack.

Secret Garden Cotopaxi

Dies ist auch der Zeitpunkt an dem alle Touren und Transporte für den nächsten Tag organisiert werden. Knapp zweieinhalb Stunden später finden sich dann alle an der großen Tafel ein und das Abendessen wird aufgetragen. Dies wechselt täglich, wird jeden Abend frisch zubereitet und alles wird der Möglichkeit nach selbstgemacht. Nur die Pizza Night Dienstagabends, die findet immer statt. Sollte jemand an Unverträglichkeiten leiden oder sich einem speziellen Ernährungsstil verschrieben haben, wird auch dem Rechenschaft getragen. Bei den alkoholische Getränke wie Bier, Wein, Rum und Softdrinks kann man sich jederzeit selbst aus dem großen Kühlschrank bedienen. Hier besteht das Vertrauenssystem. D.h. es gibt eine Liste in die sich jeder einträgt und selbstverwaltend die Anzahl der entnommenen Getränke verzeichnet. Hier ein kleiner Tipp: Alkohol ist in Ecuador überdurchschnittlich teuer. Da kann auch das Secret Garden leider nicht viel dran machen. Bei einem längeren Aufenthalt und großem Durst, vielleicht die Weinflasche selbst mitbringen.

Secret Garden Cotopaxi

Vom Secret Garden Cotopaxi selbst werden fünf verschiedene Touren angeboten. Eine zwei stündige Tour, die jeden Tag um 14 Uhr direkt vom Hostel startet, kostenlos ist und zu einem Wasserfall mit kleiner Lagune führt, wo sich die ganz Mutigen gerne hinunterstürzen können und zur Belohnung mit einem schönen kalten Bier entschädigt werden. Man kann auf einen knapp vier stündigen Reittrip gehen oder den Vulkan Pasachoa erklimmen –  eine wirklich schöne Wanderung, die direkt vom Hostel los geht und bis zum Krater des Vulkans führt, während man die verschiedensten Vegetationszonen durchquert. Die Wanderung ist nicht unanstrengend und dauert knapp sechs Stunden. Wer noch nicht genug hat kann sich an die schwierigste Wanderung, die Erklimmung des Vulkans Rumiñahui wagen. Man brauch zwar keinerlei Ausrüstung und kann den Trip locker innerhalb von vier bis fünf Stunden hinter sich bringen, das Terrain ist jedoch etwas steiler und wilder. Eine gute Kondition ist hier das A und O.

Secret Garden Cotopaxi

Und natürlich nicht zu vergessen, die beliebteste Wanderung von allen: Der Cotopaxi. Hierbei geht es mit dem Auto vom Secret Garden Cotopaxi aus erst eineinhalb Stunden bis hinein in den Nationalpark zu einem Parkplatz, von wo aus man zum knapp 500 Höhenmeter entfernten Refugio läuft. Nach einer kurzen Pause werden noch einmal ungefähr 200 Höhenmeter überwunden, bis man sich auf 5.000 Metern an der Schneegrenze befindet und man die Gletscherausläufer bewundern kann. Bei gutem Wetter hat man einen wundervollen Ausblick auf die umliegenden Vulkane und dem sich zwischen ihnen erstreckenden Tälern. Und man kann von sich behaupten auf dem Cotopaxi gewesen zu sein – dem schönsten Berg der Welt. Wer größere Pläne hat und beispielsweise den Gipfel erklimmen möchte, kann sich vertrauensvoll an die Hostelmitarbeiter wenden, die einen guten Guide vermitteln können. Ein weiteres Highlight: nach all den Strapazen des Tages kann man sich im hosteleigenen Whirlpool entspannen und den Tag im Kerzenschein mit einem Glas Wein ausklingen lassen.

Wir jedenfalls hatten eine wunderbare Woche dort und hoffen, dass sich unser Weg bald wieder mit dem Secret Garden Cotopaxi kreuzt. Also: Hin da!

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Kategorien Ecuador Südamerika
Franzi

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Mit dem RFD Reiseblog kann ich meine größte Leidenschaft - das Reisen, mit meinem liebsten Hobby - dem Schreiben, verbinden. Neue Sprachen erlernen und die exotischen Küchen aller Welt testen. Ich bin nämlich auch ein kleines Leckermaul und ein gutes Essen kann einen blöden Tag retten. Mein nächstes großes Ziel: mein Tauchschein!

1 Kommentar zu “Hostel Secret Garden Cotopaxi

  1. Wirklich wunderschön :-)

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