Quilotoa

Quilotoa Lagune

Um nicht all zu spät am Kraterrand anzukommen, heißt es heute wieder einmal pünktlich um sieben Uhr aufstehen. Anziehen, die kleinen Rucksäcke packen, frühstücken und ab zum Busbahnhof. Wie so oft gibt es viele Wege, die zum Ziel führen. Aber statt für eine Tour, die uns pro Person 50 Dollar gekostet hätte und nur noch das zweifelhafte Vergnügen eines Marktbesuches und einem Mittagessen in einem typisch ecuadorianischen Restaurant bereit gehalten hätte, haben wir uns für die Alles-auf-eigene-Faust Backpackervariante entschieden. Nun laufen wir zügigen Schrittes zum Busbahnhof in Latacunga, in der Hoffnung einen Bus zu finden, der uns bis nach Quilotoa – Name des Kratersees und des gleichnamigen Dörfchens – mitnimmt. Leider waren alle Auskünfte, die wir bzgl. Abfahrtszeiten und Häufigkeit von Bussen einholen konnten recht wage. Wir lassen uns also überraschen.

Am Busbahnhof in Latacunga verläuft auf den ersten Blick alles recht unkompliziert. Wir finden direkt ein Busunternehmen, das Quilotoa direkt ansteuert, noch zwei Plätze für uns hat und zeitnah um 10 Uhr losfährt. Wir nehmen Platz, atmen tief durch und entspannen uns. Den schwierigsten Teil des Tages haben wir hinter uns.

Natürlich kommt es wie es kommen muss. Die Abfahrtszeit verzögert sich, bis auch der letzte Platz im Bus gefüllt wurde. Gehört hatten wir davon, aber heute durften wir diese typisch ecuadorianische Erfahrung endlich am eigenen Leibe erfahren. Kann ich das also auch von meiner Liste streichen. Halb elf setzt sich der Bus dann endlich in Bewegung. Wir brauchen knapp zwei Stunden, bis wir Quilotoa erreichen und ich fange an mich zu fragen, wie wir mein festgesetztes Vorhaben einer Kraterumrundung zeitlich noch schaffen wollen. Aber noch bin ich positiver Dinge.

Quilotoa

Beim Aussteigen frage ich den Busfahrer freundlich, wann denn nun tatsächlich der letzte Bus zurück nach Latacunga abfahren würde. Um vier Uhr blafft er mich an. Auf meine Rückfrage warum er denn dem Mann vor mir fünf Uhr gesagt hätte, bekomme ich statt einer Antwort nur ein geknurrtes: Vier. Ahja. Sehr hilfreich. Die übliche südamerikanische Zeitflexibilität fest mit eingerechnet, gehe ich von fünf Uhr als realistische Abfahrtszeit aus. Ein Blick auf die Uhr verrät: uns bleiben noch ungefähr 4,5 Stunden für die komplette Umrundung. Hoffentlich reicht das. Denn wie lange man wirklich braucht war nicht herauszufinden. Und ich beruhige mich damit, dass wir zur allergrößten Not noch die Möglichkeit hätten, ein Taxi von Quilotoa nach Zumbagua zu nehmen und von dort eine der Busse zu erwischen, die grundsätzlich bis 19 Uhr abends nach Latacunga fahren.

Endlich machen wir uns auf den Weg zur Lagune. Die Luft ist klar und frisch. Die Sonne scheint und die Vorfreude steigt. Da wir nicht genau wissen wo der Rundweg losgeht fragen wir in der Touristeninformation nach einer Karte bzw. dem Weg. Die Antworten sind sehr spärlich und man bekommt den leichten Eindruck, die junge Dame würde sich bemühen extra undeutlich zu sprechen, wenn sie unsere Fragen beantwortet. Wenn es jedoch darum geht einen Guide an den Mann zu bringen wechselt sie ohne Probleme in ziemlich deutliches Englisch. Als wir ihr erklären, dass wir keinen Guide brauchen, verfällt sie wieder in ihr kaum verständliches Genuschel. Ich gebe auf. Das kriegen wir auch so hin.

Unser erster Anlaufpunkt: die Aussichtsplattform hinter der Touristeninformation. Ein traumhaftes Bild bietet sich uns. Ein Stilleben wie es Monet nicht wunderbarer auf die Leinwand hätte bringen können. Der Kratersee erstrahlt in einem Smaragdgrün und wird von dem goldenen Farbton des Strands eingerahmt. Darüber erheben sich die in den unterschiedlichsten Grüntönen bewachsenen Kraterhänge. Die Büsche am Kraterrand wiegen sich sanft im Wind. Am Horizont schimmern die umliegenden Vulkane grau und furchteinflössend. Darüber der tiefblau-graue Himmel, überzogen mit einem weißen Meer aus Wattebauschen. Es ist einfach wunderschön.

Quilotoa

Der Krater hat einen Durchmesser von 3 km. Der höchste Punkt des Kraterrands liegt auf 3.914 m. Gebildet hat sich der Krater nach dem letzten Ausbruch des Vulkans, der wohl Ende des 13. Jahrhunderts stattfand. Die Eruption war so stark, dass sich die Lava ihren Weg bis zum 300 km entfernten Südpazifik gebahnt hatte. Seitdem liegt in der Caldera ein bis zu 250 m tiefer Kratersee, dessen charakteristisch grüne Färbung von dem mineralhaltigen Regenwasser kommt. Die Einheimischen nennen es verächtlich: Agua Saltada. Salzwasser. Das Leben im See unmöglich macht.

Nachdem wir die Aussicht in uns aufgesogen haben und schätzungsweise 100 Fotos gemacht haben, die leider nicht ganz die Schönheit abbilden können, besinnen wir uns zurück auf unser eigentliches Vorhaben und suchen den Beginn des Rundwanderwegs. Natürlich ist hier nichts ausgeschildert. Wäre ja auch zu einfach. Also stapfen wir tapfer einfach drauf los. Der Weg führt kontinuierlich bergab. Sind die ersten Meter noch vergleichsweise leicht zu überwinden, da irgendein armer Tropf Stufen in den Stein gehauen hat, wird es danach eine Sumpfpartie. Der Weg ist eine einzige abgesteckte Sanddüne. Man bekommt einfach keinen festen Halt unter die Füße und rutscht den Weg mehr runter, als dass man ihn wandert.

Quilotoa

Nach einer halben Stunde halten wir inne und kommen zu dem Schluss, dass wir falsch abgebogen sind. Also zurücklaufen und nochmal von vorne oder weiter runter bis zum Strand? Manuel würde zu gerne seine Hand in das eiskalte Wasser tauchen, aber die Vorstellung diesen Weg wieder hinauf zu müssen schreckt uns ab. So beginnen wir den Wiederaufstieg. Es ist sehr mühselig und anstrengend. Ab und an keucht ein Pferd an uns vorbei, das sich wie wir den Hang hochquält, während ein dicker, fauler Tourist sich panisch in den Schweif des Tieres krallt. Der Besitzer läuft mit gezücktem Stock nebenher und schon alleine ein drohendes Schwingen beendet jede noch so kurze Verschnaufpause des Tieres. Wir kucken uns mitleidig an. Dann werden die Köpfe gesenkt und jeder stapft weiter. Wir brauchen fast doppelt soviel Zeit, bis wir wieder oben sind.

Nach einer kurzen Ruhepause unternehmen wir einen nächsten Versuch. Und diesmal sind wir erfolgreich. Wir finden nicht nur den Weg, der kurze hinter der Einfahrt zum Dörfchen beginnt, sondern auch ein riesiges Schild, was wir vorher geflissentlich übersehen haben und welches uns aufklärt, dass der Rundweg 28 km beträgt. Mein Blick wird starr. 28 km. Eine Distanz die man auf gerader Strecke zwar in vier Stunden bewältigen kann, aber mein Blick streift über die Höhen und Tiefen des Kraterrandes und ich bezweifle, dass wir das schaffen würden. Besonders weil wir einen entspannter Rundgang mit ausführlichem Picknick und vielen Fotostopps geplant hatten. Schweren Herzens verabschiede ich mich von meinem Plan der Lagunenumrundung. Aber bis zum nächsten Aussichtspunkt und zurück, könnten wir es tatsächlich in gemütlichen 2,5 Stunden schaffen. Also los.

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Der Himmel ist mittlerweile bedrohlich zugezogen und nach ein paar Minuten fängt es an zu regnen. Erst kleine, feine Tropfen, die sich in kürzester Zeit jedoch in prasselnden Regen verwandeln und dann fast sturzbachartig über uns herunterbrechen. Nach knapp einer halben Stunde kehren wir um. Als die Zufahrt zum Dörfchen auftaucht und wir einen altbekannten Bus der Firma Vivero sehen ist unser Entschluss fast augenblicklich gefallen. Zielstrebig geht es auf den Bus zu, der just-in-time fünf Minuten später vom Parkplatz rollt.

Erschöpft und nass lasse ich mich in meinen Sitz fallen. Traurig blicke ich aus dem Fenster. Wirklich gerne hätte ich meine Wanderung gemacht. Stattdessen habe ich gefühlt den halben Tag wieder einmal im Bus verbracht. Aber ein einziger Blick auf meine Fotos genügt um mir dieses einzigartige und wirklich beeindruckend schöne Naturschauspiel wieder vor Augen zu führen. Mein Ärger verraucht und ich bin einfach dankbar, hier gewesen zu sein.

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Von Latacunga nach Quilotoa fahren normalerweise stündlich Busse des Unternehmens Vivero. Die einfache Fahrt kostet 2,50 USD und dauert ca. 2 Stunden. Zurück geht der letzte Bus gegen 16:00 Uhr.

Tipp: Wer ein bisschen mehr Zeit und Wanderlust mitbringt, sollte den Quilotoa Loop wandern. Leider waren unsere zeitlichen Ressourcen begrenzt, aber wir haben nur Gutes von vielen Reisebekanntschaften gehört. Hierbei handelt es sich um einen 3-Tages-Trip, den man auch ohne Guide bewältigen kann. Hinzu kommt, dass man jede Nacht in wirklich netten, wenn auch sehr einfachen Hostels übernachten kann. Da man wie oben beschrieben sich nicht auf die Touristeninformation vor Ort verlassen kann, sollte man sich vorher eine Beschreibung der Wanderung ausdrucken.

Wenn die Zeit drängt würde ich trotzdem jedem einen Besuch der Laguna ans Herz legen. Aber statt wie wir es getan haben, würde ich nicht in Latacunga übernachten, sondern direkt vor Ort in Quilotoa. Quilotoa ist zwar wirklich nur ein kleines Dörfchen bietet aber alles was man für eine Übernachtung braucht.
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Kategorien Ecuador Südamerika
Franzi

über

Mit dem RFD Reiseblog kann ich meine größte Leidenschaft - das Reisen, mit meinem liebsten Hobby - dem Schreiben, verbinden. Neue Sprachen erlernen und die exotischen Küchen aller Welt testen. Ich bin nämlich auch ein kleines Leckermaul und ein gutes Essen kann einen blöden Tag retten. Mein nächstes großes Ziel: mein Tauchschein!

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